Ein leerer Raum

 

Ein leerer Raum

 Ein Mann, der erschien den Anderen überaus sonderbar.
Man lachte über ihn, unwissend, daß er sehr einsam war.
Er lebte in einem Raum, dessen Wände waren von schlichtem Weiß,
Die Hände im Rücken verschränkt, lief er wartend im Kreis.

 

Er war anders in Sprache und Denken, konnte nichts dafür,
Wartete immer nur auf das Läuten der Glocke an der Tür.
Sein Telefon, es stand auf einem hölzernen Dreibeintisch,
Schien so stumm geboren, wie im Aquarium der kleine Fisch.

 

Der Mann erschrak, als es zum ersten Male in die Stille schellt,
Es hatte sich jemand am anderen Ende versehentlich verwählt.
Er ging stetig auf und ab und sah sich leblos weiße Wände an.
Sie hallten tröstend wider, Lieder, die er für sich alleine sang.

 

Vor der Menschen Spott ergriff er, in Träumen die Flucht,
Doch nur im Geiste stehender Baum trägt keine wahre Frucht.
In diesen Träumen erschuf er sich die schönsten Welten,
Die allesamt an scharfen Riffen der Realität zerschellten.

 

Er wollte kein Wort mit den Menschen mehr sprechen,
Wollte lieber mit seinen Träumen an den Riffen zerbrechen.
Und die Seele trug schwer an seinem steten Schweigen,
Lastete wie der Schnee auf des Baumes jungen Zweigen.


Als die kranke Seele eines Tages unheilbar brach,
Niemand ein einzig trauernd Wort darüber sprach.
Den Arzt und den Nachbarn interessierte es kaum,
Warum ein Mensch einsam starb in leerem Raum.

 

Björn Kluge

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