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Zeilen an eine Schönheit
Seht! Sie muß es sein!
Sie stahl der Liebe Augen, Ist sie doch seither blind,
Stolpert närrisch umher. Und seit mich traf ihr Blick Bin ich selbst geblendet. Kann klar nicht mehr erkennen, Was mich umgibt. Welch edle Blindheit! Da das letzte Bild,
Das mein Geist noch sah, Von Ihrer Schönheit zeugte. Seht! Wie der Wind, Spielt mit ihrem Haar! Wie ein verliebtes Kind, Das sich nicht traut, Das Antlitz seiner ersten Lieb
Mit zarten Fingern zu berühren. So umgarnt er sie immerfort Und wallt ihr Kleid erhebend, Daß unreiner Boden nicht vermag Den Saum zu beschmutzen. Er gibt ihr den Schein, Als wären ihre Füße
Von derart Leichtigkeit, Die sie geradewegs
Dahin entschweben ließe. Seht! Wie die Bäume Beugen ihren alten Rücken, Altehrwürdig sie doch sind, So viel sie schon gesehen, Daß kaum noch etwas Sie bringen kann, Aus ihrer stoischen Ruhe.
Und doch wenden ihre Äste Sich dem Liebreiz nach. Tuscheln leise: Hier kommt sie! Die fallenden Blätter Sind Tränen ihrer Rührung ‘Und zugleich der Teppich, Den die Bäume vor sie legen,
Damit sie wandeln soll, Weich und unbeschwert Auf ihrem Weg. Hört! Wie die Vögel Untereinander schnattern, Zwitschern und trillieren, Wenn sie ihre Stimme Sich dem Wind zum Dank entgegen hebt. So stimmt das schöne,
Gefiederte Volk mit ein, Und der Glocken heller Klang Begleitet Ihr Lied, Wenn sie redet oder lacht. Der alte, vergessene Traum Von Silberklang und Schönheit Ist in mir neu erwacht.
Doch wag ich nicht Mit einzustimmen, Da mir der Atem fehlt. Seht! Hier kommt sie! Und muß vorüberziehen, Wenn ich mich nicht An ihrer Flamme verzehren will, Die so hell leuchtet, Daß alle Herzen Feuer fangen.
Und doch, bleibt nun, Da die Welt nun wieder Atem nimmt, Ein wenig von ihrem Glanz zurück, Erhellt den Boden Wie Morgentau im ersten Licht, Wenn die Sonne wachküßt Die schlafende Welt.
Diesen süßen Kuß Empfängt meine Stirn, Und ich stell mir vor, er könnt Von ihren Lippen sein.
Björn Kluge Zurück zum Inhalt
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